Montag 23. Oktober 2017
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Der eine Weg – oder: Warum ich den roten Faden erst mit 32 fand

 

Mit 18 suchte ich nach dem perfekten Blauton

 

Denn ich war mir sicher, dass sich mein zukünftiges Berufsleben ausschließlich um Farben, Formen und Gestaltung drehen würde. Schließlich lautete der erste Berufswunsch meines Lebens schon ambitioniert:  „Zeichnerin bei Walt Disney“. Der Sommer zwischen Matura und Beginn meines Studiums war also ein Sommer der großen Erwartungen: Ich arbeitete wie versessen an meiner Bewerbungsmappe für die Aufnahmeprüfung an der Kunst-Akademie. Einen Plan B hatte ich nicht – oder zumindest nicht so richtig; Dunkel war doch die Vorstellung eines Publizistik-Studiums im Hinterkopf. Was das bedeutete und in welche berufliche Richtung es mich führen würde, davon hatte ich damals noch keine Vorstellung.

 

Der Sommer verging und der Herbst hielt nicht, was die Erwartungen versprochen hatten: Ich wurde nicht zum Grafikdesign-Studium zugelassen. Die Ablehnung tat weh, denn die Mappe, mit der ich mich beworben hatte, war nicht nur eine Sammlung von Arbeitsproben, sondern ein Blick in mein Inneres. So nahm ich es zumindest wahr.

 

Ich wählte also ein anderes Studium und kurz darauf ein zweites, das (auf den ersten Blick) recht wenig mit meiner Passion für Farben, Formen und Grafik zu tun hatte. Die Wehmut, dass es mit meiner „ersten Liebe“ nicht geklappt hatte, war trotzdem schnell verflogen, denn ich fokussierte mich auf andere Fähigkeiten – und genoss die Zeit in vollen Zügen.

 

Gedanken darüber, was beruflich aus mir werden sollte, habe ich mir bis zum letzten Drittel meiner Studienzeit kaum gemacht: Ich probierte mich aus, absolvierte Praktika, engagierte mich ehrenamtlich und landete in immer neuen Bereichen. Es war eine spannende Zeit, die mir wenig darüber verriet, was ich zukünftig tun wollte, aber viel vorwegnahm, was für mich nicht in Frage kam.

 

Mit 23 fand ich eine neue Liebe

 

Als ich 2007 das Parlament zum ersten Mal betrat, hatte ich Herzklopfen: Die zweite große Liebe meines Berufslebens hatte mich so richtig erwischt. Aus dem ersten Hineinschnuppern wurden 4,5 lehr- und erfahrungsreiche Jahre, die mich zunächst bestärkten, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Politik und ich hatten seit Teenagertagen miteinander geflirtet, jetzt wurde daraus eine leidenschaftliche Liebesbeziehung.

 

In den folgenden Jahren betrachtete ich das Objekt meiner Begierde aus verschiedenen (Berufs-)Perspektiven und musste feststellen, dass es mir zunehmend schwerer fiel, die Beziehung passioniert fortzuführen ohne mir dabei die Finger zu verbrennen. Vom Spiel mit dem Feuer konnte ich dennoch nicht lassen.

 

Mit 28 suchte ich nach dem Sinn des Lebens

 

Dann kam die Zeit, einzugestehen: Politik und ich hatten eine Beziehungskrise. Aber was tun, wenn Trennung keine Option ist? Richtig, man sucht Unterstützung von außen. Mit 28 Jahren saß ich also vor einem Coach, fragte nach dem Sinn meines (beruflichen) Lebens und betrieb Ursachenforschung, wie es zur Krise gekommen war. Ich erinnere mich noch, wie überrascht mein Gegenüber ob meines Wunsches war, den einen Weg zu finden. Es gäbe doch noch viele schöne Abzweigungen, die es ebenfalls wert wären, erkundet zu werden. Ich verstand die Anregung nicht.

 

Der Blick auf die Auswertung des Persönlichkeitstests, den ich vor dem Gespräch absolviert hatte, zeigte aber ganz deutlich, warum ich das Gefühl hatte, in dem Berufsfeld meiner Wahl ständig gegen Wände zu laufen: Die Motive, die mein Handeln und Denken bestimmten, waren so gar nicht mit den Anforderungen meiner Branche vereinbar. Ehrlich gesagt hatte ich bis zu diesem Tag wenig darüber nachgedacht, was mich antrieb. Jetzt hatte ich es Schwarz auf Weiß.

 

Mein Coach gab mir auf den Weg, dass die Ergebnisse nachwirken würden: Am ersten Tag nach unserem Gespräch würde ich mich wahrscheinlich gut fühlen, am zweiten könnte ich ein „inneres Zwacken“ spüren – wie bei einer Massage. Er behielt Recht.

In meinem Inneren wurde etwas angestoßen. Aber etwas zu wissen, bedeutet noch lange nicht, danach zu handeln. Also stürzte ich mich direkt ins nächste politische Abenteuer und in Positionen, die mit dem, was ich über mich erfahren hatte, so gar nicht kompatibel waren. Bis mein Körper streikte.

 

Mit 32 fand ich meinen roten Faden

 

Eins vorab: Ich bereue keine berufliche Station und keine Entscheidung. Ich habe auf meinem Weg viel gelernt und bin verschiedensten Menschen begegnet, die mein Leben weit über das Ende von Dienstverträgen hinaus bereichern.

 

Mit 32 war es trotzdem an der Zeit, nachzudenken. Ich besann mich auf die Analyse mit den krakeligen Notizen aus dem Coaching-Gespräch. Und ich fragte mit diesen Ergebnissen vor Augen, was ich brauche und was passt. Am Ende des Prozesses stand u.a. eine Unternehmensgründung. Ich war mit dieser Idee schon lange schwanger gewesen. Jetzt war es an der Zeit, sie auszutragen und in die Welt zu bringen.

 

Steve Jobs hat einmal gesagt: „You cannot connect the dots looking forward. You can only connect them looking backwards”. Ich bin der Überzeugung, dass das stimmt. Der Weg, den wir gehen, hat einen Sinn und unsere Persönlichkeit und Motive beeinflussen die Richtung derart, dass wir immer wieder bei uns ankommen: bei den Teilen unserer Persönlichkeit, die uns hemmen, genauso wie bei jenen, die uns helfen, voranzukommen.

 

Ich habe lange geglaubt, dass mein Weg keinen roten Faden hat. Dass sich meine Punkte einfach nicht verbinden lassen. Heute weiß ich es besser. Meine Stationen sind Abbilder meiner Motive. Das zentralste war wohl immer die Gestaltung. Die koste ich heute in vollen Zügen aus – in einem Berufsfeld, das es zu meiner Studienzeit noch gar nicht gab: dem Digital Marketing. Hier laufen nun alle Stränge zusammen: meine Begeisterung fürs Visuelle, die Freude am Arbeiten mit Menschen, meine Vorliebe für Strategie und mein Antrieb, Fundamente für gute Ideen zu legen. Es hat sich gelohnt, die Extrameile zu gehen, aber zugleich zu erforschen und zu reflektieren, welche Persönlichkeitsanteile mich dazu bewegen.

 

Apropos Happy End: Meine erste Liebe hat sich auch wieder bei mir gemeldet. Wir leben unsere Liebe heute offen aus – in einer postgradualen Grafikdesign-Ausbildung.

 

Daniel Nuderscher     

MMag.a Sandra Bittmann ist Digital Marketing Managerin bei Uniport und seit fast einem Jahr auch selbständig tätig. Die Persönlichkeitsanalyse, die sie mit 28 gemacht hat, hält sie noch heute für die beste Investition ihres Lebens.

Wenn du auch Lust bekommen hast, deine Motive, Talente und Entwicklungspotentiale näher kennenzulernen, bietet dir Uniport mit dem Golden Profiler of Personality“ (G.P.O.P) – einem geprüften Testverfahren inkl. anschließendem Beratungs- und Coachinggespräch – Gelegenheit dazu. Alle Infos findest du unter: www.uniport.at/gpop

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